Erfahrungsberichte

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Wie man den Motorrad-Führerschein mit einem gelähmten Arm schafft

Beim Beschleunigen muss die Orthese am Lenkrad bleiben, beim Bremsen muss sie dem Druck standhalten und in Kurven darf sie nicht verrutschen – vor allem aber muss die Orthese eigenständig anzuziehen sein. Ebenso muss geklärt werden, wie der Arm gegen Witterungseinflüsse geschützt wird. Diese und etliche Vorgaben, Anforderungen und Eigenschaften mussten erfüllt werden, damit Florian, 23, sich seinen Traum erfüllen kann und mit einer unterstützenden Orthese für den rechten Unterarm Motorrad fahren kann.

Um schließlich an den ersehnten Motorradführerschein zu kommen, brauchte es insgesamt 1 ½ Jahre – eine Zeit, die Florian als zeit- und kostenintensiv beschreibt: „Du bist ständig am Herumrennen, Gespräche führen, kämpfst andauernd gegen unvorhergesehene Verzögerungen und die Jahreszeiten an. Du musst sehr durchhaltestark sein!“ Dieses Durchhaltevermögen zeichnet Florian aus – er wusste, wenn er einmal mit diesem Projekt beginnt, wird er es auch durchziehen.

Zur Umsetzung seines Vorhabens, mit einem gelähmten Arm aufgrund einer Plexusparese Motorrad zu fahren, musste er sich ein wichtiges Netzwerk schaffen: eine Werkstatt, die ihm sein Motorrad komplett auf linkshändig umbaut, einen TÜV-Prüfer, der bereit ist, ihm das Motorrad abzunehmen und ein Eignungsgutachten anfertigt, einen Orthopädietechniker, der ihm eine maßgeschneiderte Lösung für das Fahren mit einer Behinderung erarbeitet und eine Fahrschule, die bereit ist, das Risiko zu übernehmen und mit ihm die Fahrausbildung macht. Eine Werkstatt in der Nähe von Neustadt/Aisch mit Erfahrung für solche Umbauten fertigte ihm das Motorrad nach seinen Bedürfnissen. Es gab zwei von dreizehn Fahrschulen in Nürnberg, die mit Florian diese Ausbildung machen wollten. Und er fand einen Orthopädietechniker-Meister, der mit ihm die passende Orthese erarbeitete.

„Seien wir ehrlich. Einen Motorradführerschein mit Behinderung machen nicht viele“

Nach langem Zusammentragen von Informationen, Vorgaben und der Bearbeitungszeit in der Orthopädietechnik bei Riedel & Pfeuffer entstand für Florian im März 2018 eine Orthese, die es ihm ermöglichte, seinen Motorradführerschein zu machen. Mit unserem Orthopädietechniker-Meister hat Florian jemanden gefunden, der sich diese Anfertigung voll und ganz zugetraut hat. Dazu musste die Orthese allen gegebenen Anforderungen gerecht werden – dies kostete eine Menge Zeit, Kreativität und einen Prototypen, der zunächst über den Haufen geworfen werden musste. Unwahrscheinlich ist, dass in Bayern bisher überhaupt so eine Sonderanfertigung gemacht wurde – Florian fand keine vergleichbaren Informationen, die ihm und der Orthopädiewerkstatt geholfen hätten, das Vorhaben umzusetzen.

Neben Motorradkleidung und dem Fahren an sich musste auch das potentielle Fallen und Absteigen berücksichtigt werden. Beispielsweise musste geklärt werden, wo sich die Orthese im Sturzfall lösen soll – ob sie fest am Lenker verbaut wird und man mit der Hand hineinschlüpft oder nach dem Anlegen immer fest am Arm ist.

Es wurde sich für letztere Variante entschieden, da bei fester Lenker-Montierung der Orthese seine Hand im Sturzfall aus der Orthese gerissen würde und beim Aufprall am Boden vollkommen ungeschützt bliebe. Mit sich stetig verbessernden Lösungen und enger Absprache mit unserem Orthopädietechniker-Meister konnte Florian zunächst auf dem nächstgelegenen Supermarktparkplatz mit seinem umgebauten Motorrad und der Orthese üben und sich mit dem Fahren vertraut machen. Nachdem die Orthese ein paar Mal korrigiert wurde, lief auch das reibungslos und er konnte endlich seinen Führerschein beginnen.

Unser Orthopädietechniker-Meister

Florian konnte kaum auf Erfahrungsberichte Anderer zurückgreifen und hat daher eine Anleitung geschrieben. Somit weiß jemand in einer ähnlichen Situation, worauf es ankommt und worauf er sich einlässt.
„Ohne Geld funktioniert nichts. Je nach Größe des Umbaus und Kosten des Motorrads kann der Preis variieren. Mich hat alles zusammen (vom Motorrad und seinem Umbau, über die Kleidung bis hin zu den Fahrschulkosten) rund 19.000€ gekostet, wovon das Motorrad bei ca. 8.500€ lag.“ Die Orthese wurde jedoch von seiner Krankenkasse vollständig übernommen.
Eine Erfahrung, die sich für ihn absolut gelohnt hat. Sobald das Wetter etwas milder ist, will er seine Fahrten zur Uni München zukünftig mit dem Motorrad machen.